10 von einem: Prince

Jubiläum! Seit zwanzig Jahren hat Prince Roger Nelson keine gescheite Platte mehr gemacht. Und wenn er auch davor die Goldbarren tief in manchem Schrotthaufen vergrub, ein paar hübsch wertvolle waren doch dabei:

SOFT AND WET (1978, For You)
Die erste Single, Herbst 1978. Ansich ein recht banales Diskoliedchen (uuhhhh-ahhhhh, love, love, uhuhuuuu usw) – die Weltraumorgel im Hintergrund macht den Unterschied ums Ganze.

WHEN YOU WERE MINE (1980, Dirty Mind)
Punk und New Wave sind zwei Jahre darauf auch bei Prince angekommen – dies ist seine Version davon. Noch immer viel Kopfstimme, aber ein bisschen weniger Disco, mehr Synthies, mehr Bass. Und gaaanz viel Blondie…

ANNIE CHRISTIAN (1981, Controversy)
Nun wird Prince Mr Trendsetter: Das schwammige Computer-Getrommel ist beinahe Trip-Hop, den angesäuerten Sprechgesang hat sich Mike Patton für Faith No More später abgeschaut. “Everybody says Electric Chair, Electric Chair…” Der Gitarrist wurde später wieder eingefangen, heißt es.

WHEN DOVES CRY (1984, Purple Rain)
Lässig genuschelt vor einen spärlichen Rhythmus, der von Two Live Crew gebastelt sein könnte. Und dann diese Gitarre! Sowas wird heute gar nicht mehr gebaut.

RASPBERRY BERET (1985, Around The World In A Day)
Eine ausnahmsweise wunderbar geratene Melange aus Bonbonpop und Schweinefunk. Er liebt sie, weil sie so ein hübsches Mützchen trägt … “and if it was warm she wouldn’t wear much more.”

NEW POSITION (1986, Parade)
Welch ein Stampfer. Kaum zweieinhalb Minuten lang, quengelig und blechern, wuchtig und bassbeladen. Ging neben dem auch famosen Dorfdiskofüller KISS unrechtens unter.

SIGN “O” THE TIMES (1987, Sign “O” The Times)
Der böse Zeitgeist – verpackt in einen unfassbaren Groove. Das beste Stück auf einem von Princes besseren Alben.

ALPHABET ST (1988, Lovesexy)
Blechern und funky, the Gospel according to Mr Nelson. Danach kam noch BATMAN – und Prince begrüßte die Neunziger mit Bass, Bass, Bass.

GET OFF (1991, Diamonds & Pearls)
Puh, das ist textlich schwer zu ertragen – aber der Bass pumpt überzeugend wie nie zuvor. Während Mr Jackson DANGEROUS versemmelte flötet sich Prince in den dritten Frühling.

MY NAME IS PRINCE (1992, )
Das Alben hatten nun einen unaussprechlichen Namen, hernach nannte sich Prince selbst so. Hier noch: “My name is Prince and I am funky”, sprich: fonkäää… Hier bretzelte er also ein letztes Mal so richtig einen vor – alles was dann kam glänzte allenfalls stumpf.

Kalter Krieg in Sevilla

Sat1-Moderator Hansi Küpper zu Beginn des “Endspiels” um das Weiterkommen in der Europa-League zwischen dem FC Sevilla und Borussia Dortmund mit einer kurzen Vorstellungsrunde:
“Die Schiedsrichter kommen aus der Sowjetunion!”

Dann kann für den BVB ja nichts schiefgehen, die pfeifen bestimmt nicht für Franko-Spanien…

Edit: Kurze Zeit später dann: “Die Schiedsrichter kommen natürlich aus Russland, nicht aus der Sowjetunion.” Der BVB schied dann auch aus…

Nicht nur bei Wiki leckt’s

Der Presseschau zu den aktuell veröffentlichten Wikileaks-Dokumenten ist mehreres zu entnehmen. Zum einen hat kaum ein deutscher Redakteur sich die Zeit genommen, andere als die Dokumente anzusehen, in denen die vaterländischen Politiker überraschend treffend durch den Kakao gezogen werden.

Zum anderen gibt es zwei dominante Einschätzungen der politischen Bedeutung des Vorgangs, eine kurzsichtiger als die andere:

a) Die Veröffentlichungen seien gefährlich weil sie einerseits das diplomatische Gleichgewicht aus der Waage brächten (welches Gleichgewicht?) und die Diplomaten in Zukunft eben noch vorsichtiger mit ihren Geheimnissen umgingen (von denen diese Kommentatoren aber ja ohnehin nichts wissen wollten, kann ihnen also wurscht sein).

b) Die Veröffentlichungen seien gescheit, denn letztgültiger Ausdruck der demokratisierenden Wirkung des Internets (und Demokratie folglich gleichzusetzen mit dem geheimnislosen Geplapper bei Facebook etc.)

Hausaufgabe: Wahrheit irgendwo dazwischen suchen!