Nicht nur bei Wiki leckt’s

Der Presseschau zu den aktuell veröffentlichten Wikileaks-Dokumenten ist mehreres zu entnehmen. Zum einen hat kaum ein deutscher Redakteur sich die Zeit genommen, andere als die Dokumente anzusehen, in denen die vaterländischen Politiker überraschend treffend durch den Kakao gezogen werden.

Zum anderen gibt es zwei dominante Einschätzungen der politischen Bedeutung des Vorgangs, eine kurzsichtiger als die andere:

a) Die Veröffentlichungen seien gefährlich weil sie einerseits das diplomatische Gleichgewicht aus der Waage brächten (welches Gleichgewicht?) und die Diplomaten in Zukunft eben noch vorsichtiger mit ihren Geheimnissen umgingen (von denen diese Kommentatoren aber ja ohnehin nichts wissen wollten, kann ihnen also wurscht sein).

b) Die Veröffentlichungen seien gescheit, denn letztgültiger Ausdruck der demokratisierenden Wirkung des Internets (und Demokratie folglich gleichzusetzen mit dem geheimnislosen Geplapper bei Facebook etc.)

Hausaufgabe: Wahrheit irgendwo dazwischen suchen!

Polen, bleib heilig!

In Polen, zumal am 15. August, darf nur einer Madonna gehuldigt werden. Die gebar unbefleckt und düste schließlich sicher nicht weiter befleckt zum Himmel. Die andere Madonna, jene unkatholisch Mutter gewordene und bei der letzten Tour allabendlich ans bunt blinkende Kreuz genagelte, ist in Polen eigentlich immer, vor allem aber eben zum Jahrestag der Himmelfahrt der anderen, unerwünscht. Und jene, die aus diesem Grund versuchen, ein Madonna-Konzert auf dem Warschauer Flugplatz am 15. August zu verhindern, sind selbstverständlich keine Fundamentalisten, Idioten oder vergnarzte Spaßbremsen, sondern aufrichtig besorgte Christen.

Denen im übrigen offenbar der Zeitvertreib fehlt, seit im polnischen Radio vormittags keine Frauen mehr zu hören sind. Das beschloss das Parlament vor einiger Zeit, Männerstimmen seien glaubwürdiger und klängen besser: angenehm sonor statt aufregend quietschig.

Würde das Parlament den Frauen das Arbeiten einfach prinzipiell verbieten, erlegte es also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Weder aus dem Radio noch vom Warschauer Flugplatz schallte dann eine Frauenstimme. Problem gelöst, Polen wieder heilig!